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Donnerstag, 8. März 2012

Das haerteste Rennen der Welt


Nach einer kalten Nacht wachte ich morgens um sechs Uhr auf und entschied mich trotz einer Absage am Vortag es zu probieren - ich wollte den Mt. Kinabalu in einem Tag bezwingen. Normalerweise werden nur vier Genehmigungen pro Tag ausgestellt, doch ich war der fuenfte. Die meisten Touristen machen die Tour in zwei Tagen und uebernachten auf dem Berg fuer schlappe 100 Euro. Soviel war ich nicht bereit zu zahlen, also musste ich es an einem Tag machen. Puenktlich um sieben Uhr stand ich vor dem Office und wollte die parkranger davon ueberzeugen, mir eine Genehmigung auszustellen. Eine kurze Diskussion und schon war alles erledigt, es konnte losgehen:

7.30 Uhr: Timpohon Gate (km 0 1.866m NN)
los geht's; bin voller Zuversicht es zu schaffen, trotz Zeitlimits; das Wetter scheint heute mitzuspielen
8.30 Uhr: Pondok Lowii (km 2,5 2.286m NN)
das ging gut bisher; ich fuehle mich gut; grosse Baeume habe ich schon seit einer Weile nicht mehr gesehen; nach einigen Muesliriegeln, isotonischen Getraenken und stretching geht es weiter
9.15 Uhr: Layang Layang (km 4,0 2.681m NN)
langsam merke ich meine Beine, doch ich fuehle mich immer noch gut; die ersten Touristen, die zum Sonnenaufgang am Gipfel waren, kommen mir entgegen; groessere Stufen versuche ich zu umgehen
10.15 Uhr: Pondok Paka (km 5,5 3.053m NN)
langsam werden die Beine schwerer; ich kann nicht mehr viel langsamer werden, sonst lassen sie mich den letzten Checkpoint vor dem Gipfel nicht mehr passieren; ich brauche Energie; mein Wille ist stark, es zu schaffen
10.45 Uhr: Laban Rata (km 6,0 3.314m NN)
geschafft, der letzte Checkpoint laesst mich passieren; nur 2 Stunden fuer die letzten 2,5km; mehr Muesliriegel und Drinks; stretching; nach 5min geht es weiter; erste Wolken ziehen auf
11.15 Uhr: kurz vor der Vegetationsgrenze (km 6,5 3.563m NN)
mein Koerper schreit nach neuer Energie; alle 20m muss ich anhalten, um Luft zu holen; das Pochen in den Schlaefen wird staerker; mein Herz springt fast aus meiner Brust; ich will es schaffen; Sturzregen; Umkehr; zu gefaehrlich; Enttaeuschung; Ende des Traums
12.30 Uhr: Nach rund einer Stunde Pause in Laban Rata beginnt in einer Regenpause der Abstieg
13.15 Uhr: Kurze Pause in Layang Layang; der Regen nimmt wieder zu; langsam fange ich an zu frieren; im Eiltempo geht es bergab; jemand ruft mir 'Speedy Gonzales' hinterher
14.34 Uhr: erreiche Timpohon Gate; bin komplett durchnaesst; mein Mt. Kinabalu-Abenteuer ist vorbei; ich will nur noch eine heisse Dusche, Essen und ins Bett

Am Ende des Tages muss ich sagen, dass ich keinesfalls enttaeuscht bin, den Gipfel nicht erreicht zu haben. Nur rund 40% schaffen es an einem Tag. Ich bin an meine Grenze gestossen. Das Tempo, das man gehen muss, um in der Zeit zu bleiben, und der schnelle, hohe Aufstieg waren dann doch etwas zu hart. Ich weiss nicht, ob ich es auch ohne Regen nicht im Zeitlimit geschafft haette. Trotzdem bin ich stolz, es probiert zu haben.
Jedes Jahr findet hier am Mt. Kinabalu das wahrscheinlich haerteste Bergrennen der Welt, der Climbathon, statt. 8,5km hoch und wieder runter. Der Rekord liegt bei 2h 33min. Da kann ich nur sagen: Unmenschlich!


PS: Wer guenstig nach Borneo will, sollte sich fuer den Climbathon anmelden, dann gibt Malaysian Airways 50% Rabatt

Dienstag, 6. März 2012

Rumble in the Jungle - Zurueck in die Zivilisation

...der Morgen in Long Midang begann traurig. Es hiess Abschied nehmen von Philip, der nun zwei Tage alleine durch den Dschungel nach Hause wandern musste. Wir hatten ihn sehr in unser Herz geschlossen!
Der Dorfchef begleitete uns ein Stueck aus dem Dorf heraus. Unser Herzklopfen wurde staerker.
Der erste Grenzposten des heutigen Tages. Zwei, drei Worte unseres Begleiter zu den Grenzsoldaten und sie winkten uns mit einem Laecheln durch. Doch nun waren wir nur noch zu zweit und hatten immer noch den zweiten Posten auf malaysischer Seite vor uns. Was sollten wir ihnen sagen? Wir entschieden uns fuer die Wahrheit. Auch hier wurden wir mit einem Laecheln auf die sichere Seite durchgewunken.
Im naechsten Dorf gab es eine Strasse und sogar einen Flughafen. Naechstes Flugzeug in drei Tagen. Unsere Wahl war also gefallen. Nachdem wir uns einen Fahrer organisiert hatten, ging es los in Richtung Lawas. Wieder fuhren wir ueber die ungeliebten 'Tropenholzstrassen', kehrten zum Mittagessen in einem Holzfaellercamp ein und erreichten Lawas zu spaet fuer eine Weiterreise. Am naechsten Tag enterten wir ein Boot und verliessen wiederum Malaysia - Brunei. Meiner Meinung nach war das aufregendste an dem Tag in diesem Land der neue exotische Stempel in meinem Reisepass. So frueh wie moeglich am naechsten Morgen nahmen wir das Boot zurueck in Richtung Malaysia. Wir stoppten auf einer Duty Free-Insel und besorgten uns eine Flasche guten Rums. Am spaeten Nachmittag erreichten wir das Ziel unserer Tour - Kota Kinabalu. Die Flasche Rum war der Auftakt zu einer grossen Nacht - dem Ende des Rumble in the Jungle!

Samstag, 3. März 2012

Rumble in the Jungle - Keine Fragen bitte!

...immer noch satt von Vorabend ging es am naechsten Morgen von Tanjung Karya weiter in Richtung Brian Baru. Seit wir die Grenze nach Kalimantan ueberquert hatten, hatte sich die Landschaft dramatisch veraendert. Grosse Baueme und Dschungel sahen wir nur noch hoch oben auf den umliegenden Huegeln. Dschungelpfade - Fehlanzeige! Anstatt dessen breite, strassenaehnliche Wege, die nur fuer den Abtransport von Tropenhoelzern gemacht wurden. Wieder waren wir zu viert unterwegs. Wer war wohl unser Begleiter? Darius. Er hatte sich entschlossen uns nach Brian Baru zu begleiten, um eine seiner Schwestern zu besuchen. Wegen der fehlenden Baeume war die Hitze ungleich groesser. Auch der Spassfaktor hatte rapide abgenommen.
Nach zwei Stunden Wanderung nahmen die gesundheitlichen Probleme, die sich schon am Vortag angekuendigt hatten, zu. Wir mussten nach einer Loesung suchen, zumal wir nicht ganz legal unterwegs waren. Um eventuelle Schwierigkeiten zu vermeiden, beschlossen wir moeglichst schnell wieder in Richtung Malaysia zu gelangen. Zum Glueck kam uns kurz vor Brian Baru ein 4x4 entgegen, der sich bereit erklaerte, uns nach Long Midang zu fahren, das unser eigentliches Etappenziel fuer den Tag sein sollte und kurz vor der Grenze lag. Der
Abschied von Darius war kurz aber herzlich. Nach einer Stunde ueber eine Buckelpiste erreichten wir Long Midang. Philip kannte gluecklicherweise den Dorfchef, der uns bei sich aufnahm und uns auch sonst eine grosse Hilfe war. Er organisierte uns einen Arztbesuch, bei dem fuer ein wenig Kleingeld keine grossen Fragen gestellt oder Aufzeichnungen gemacht wurden. Die Probleme stellten sich als geringer heraus, als wir befuerchtet hatten. Wir hatten also keine grosse Eile mehr und blieben bis zum naechsten Morgen in Long Midang.

Ungluecklich darueber, dass wir unsere Reise um einen Tag verkuerzt hatten, waren wir nicht. Bis auf einen Berg waeren wir nur auf diesen Logging Roads unterwegs gewesen und nicht, wie wir wollten, im Dschungel. Das Ziel fuer die naechste Episode unserer Tour war ausgegeben: Zurueck in die Zivilisation...