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Freitag, 16. März 2012

Gedanken eines Weltreisenden

Was machst Du, wenn Du eine lange Bus- oder Zugfahrt vor Dir hast?
Ist der ipod aufgeladen? Warst Du im Buchladen und hast frische, neue Buecher im Gepaeck? Hast Du vielleicht ein kindle? Sind genug Filme auf deinem Laptop? Oder verzichtest Du auf Entertainment und nimmst einfach eine Schlaftablette und hoffst erst an Deinem Ziel aufzuwachen?

Aber was ist, wenn Du dies alles nicht hast? Wirst Du ueberleben? Die ganze Zeit aus dem Fenster starren ohne verrueckt zu werden? Schaust Du Dir Deine Mitreisenden an, bis Du am Ende das Gefuehl hast, Du kennst Sie schon seit Jahren?

Alle paar Minuten schaust Du auf die Uhr. Eigentlich haettest Du schon lange angekommen sein muessen. Irgendwann meldet sich Dein Kopf: "Was haette ich nicht alles in dieser Zeit erledigen koennen?" Je laenger es dauert, desto lauter wird die kindliche Stimme in Dir: "Wann sind wir daaaaaha?"

Fuer viele von uns, die aus einer westlichen Kultur kommen, in der Zeit gleich Geld ist, ist es schwer einfach mal zu..... warten.
Ein vollgestopfter Terminkalender, Fristen und rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit sind uns mittlerweile in Fleisch und Blut uebergegangen. Produktivitaet, Effektiviaet und Effizienz sind fuer viele heutzutage Lebensinhalt. "Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen" kenne ich seit meiner Kindheit. Sicher steckt da viel Wahrheit hinter, aber oft frage ich mich fuer was?
Jeden Morgen in der Bahn habe ich sie gesehen. Diese grauen Herren mit ihren blackberrys und Starbuck-Cafes in der Hand. Wie schon bei Michael Endes Momo waren ein Laecheln und Leichtigkeit fehlanzeige. Wollen wir alle so werden?

Auch auf die Kultur der Backpacker hat sich dieser Nebelschleier ausgebreitet. In China z.B. machen Hostels Werbung mit dem Slogan: "Wir haben facebook". Wifi ist in Suedostasien fuer viele Backpacker eine Vorraussetzung, um sich fuer eine Unterkunft zu entscheiden. In Manila kam ich auf die Dachterrasse meines Guesthouses und von 20 Leuten dort sassen 18 vor ihren Laptops - und das den ganzen Abend. Unterhaltungen waren unerwuenscht. Warum fahre ich in ferne Laender und hocke die gaze Zeit vor dem Laptop??? Ich persoenlich fand diese Szene auf der Dachterrasse aeusserst grotesk und - ja, ich muss sagen - asozial. Als ich vor rund einer Dekade das erste Mal mit dem Rucksack um den Globus gezogen bin, da musste man noch nach einem Internetcafe suchen. Ansonsten hat man sich einfach mit anderen Menschen unterhalten. Heute ist der Laptop immer dabei. Ich habe es ueberlebt und was fuer einige vielleicht ueberraschend ist, hatte ich nach meiner Reise immer noch die meisten meiner Freunde - auch ohne Freundschafts-Button.

Auf meinen Reisen habe ich immer wieder versucht die westliche Kultur und die Zeit abzuschalten. Und wenn ich genauer darueber nachdenke, ist dies besonders seit Hapes "Ich bin dann mal weg" eine immer groessere Modeerscheinung. Alle, die mal Pilgern waren, fuer eine Zeit ausgestiegen sind oder einfach alle Uhren vermieden haben, gaben mir ausschliesslich positive Rueckmeldungen.
Ich muss sagen, dass ich mich immer gerne an solche Zeiten erinnere und sie mir viel Kraft geben. Crossing the Nullarbor, Operation Hippie, der eigene Strand oder Rumble in the Jungle werden immer tief in meinem Herzen verwurzelt bleiben. Oft passieren die besten Dinge, wenn kein Plan vorhanden ist, kein aeusserer Einfluss gegeben ist und Zeit keine Rolle spielt. Alles kommt von selbst.

Vielleicht ist dies eine der Antworten auf die Frage, die ich immer wieder zu hoeren bekomme: "Wieso machst Du all diese Dinge?"

Also, einfach mal abschalten!

2 Kommentare:

  1. I started travelling in 1989, when there was no cell phones and no laptops. It was so much fun to feel disconnected from the world. I made a massive trip again in the 90s. Same thing. Poste Restante at the post office was so exciting.

    Even in the late 90s and early 2000s, it was exciting to search for an internet Cafe. Now it's all far too easy. The excitement has diminished. Don't get me wrong. It's still good fun. But something (a big thing) has been lost.

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  2. Jaja mein Lieber, das kann ich alles nur bestaetigen! Ich denke oft an meine Zeit in Oz zurueck und erinnere mich, wie du erwaehntest an das suchen nach Internet Cafes, das umstaendliche uploaden von Fotos und verschicken von Gruppenemails (mit angehaengten Fotos), wo sich dann die Leute beschwert haben, das sei ihnen zu unpersoenlich. -Man waere das mit Facebook einfacher gewesen! Aber dann erinnere ich mich auch an die innere Ruhe, die nach anfaenglicher Panik fuer einen Europaer irgendwann eintritt, wenn man sich eine Zeit lang irgendwo aufhaelt, wo es eben gar keinen Handy-Empfang gibt. -Nebenbei bemerkt habe ich hier in meinem Haus nur an bestimmten Stellen schlechten Handyempfang...man gewoehnt sich dran ;-)
    Man fragt sich eigentlich, was die Leute sich eigentlich staendig alles zu sagen haben und wenn, dann warum sie das in aller Oeffentlichkeit tun muessen....Diese Situation mit der Runde von Laptoppern kann ich gut nachvollziehen und ich find das auch immer wieder asozial!! (Ich glaub wir werden alt mein Freund!)
    Andererseits haetten wir ohne diesen ganzen modernen Schnickschnack nicht so schoen an deinen Reiseerfahrungen teilhaben koennen!!
    Aber bleib du mal so wie du bist und wir sehen uns dann ja irgendwie irgendwo irgendwann mal ;-)

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