Heute ein Bericht ueber Amritsar.
Amritsar liegt im Bundesstaat Punjab, direkt an der Grenze zu Pakistan. Sie ist die heiligste Stadt fuer die Sikhs. Das sind die mit dem Turban oder mit dem lustigen Bommel auf dem Kopf. Die Stadt war schon sehr gegensaetlich zu Chandigarh. Mehr Menschen, enge Gassen und viel mehr Dreck. Das liegt sicher auch daran, dass die Sikhs zu dem goldenen Tempel pilgern, der sich mitten im Zentrum der Stadt befindet. Sowieso ist das ganze Pilgern der totale Wahnsinn hier. In den Gebaeuden rund um den Tempel herum gibt es Schlafmoeglichkeiten fuer jeden, der dort schlafen moechte. Malte, Veith und ich sind natuerlich auch dorthin, um einen Platz zu ergattern, zumal es kostenlos ist (Spende wilkommen). Auch kostenlos Essen war dort kein Problem. Das Ganze hatte Aehnlichkeiten mit einer Legebatterie. Soviele Menschen hausten auf engstem Raume; wir haetten noch drei Plaetze auf dem Fussboden bekommen koennen, doch wir haben uns dann fuer die Hotelvariante entschieden.
Der Goldene Tempel selbst ist schon toll; er steht auf einer Insel, umgeben von heiligem Wasser, das auch gerne fuers Karma getrunken wird. Man muss auch ganz speziellen Regeln folgen, wie z.B. das Tragen eines "Piratenkopftuches". Es ist schon der Wahnsinn (positv gesehen) wie Menschen in der Religion aufgehen koennen.
Eine weitere Sache, der wir in Amritsar zu Teil wurden, war die Grenzschliessungszeremonie zwischen Indien und Pakistan. Wir haben sehr ueber dieses Ritual diskutiert und fanden es aus unser europaeischen Sicht teilweise schon sehr bedenklich. Puenktlich kurz vor Sonnenuntergang stroemen Menschenmassen auf die eigens dafuer gebauten Tribuenen und dann bekommen sie ihr rund-um-sorglos-Paket Nationalstolz. Zunaechst duerfen Kinder mit Indienfahne auf das Grenztor zulaufen, waehrend das Publikum ihnen zujubelt. Dann Betritt irgendwann der "Hetzer" die Manege. Man hoert immer wieder "Hidustan" und, wenn ich es richtig verstanden habe, "Tod Pakistan". Natuerlich schallen aehnliche Sprueche auch von der anderen Seite der Grenze herueber. Bei der eigenlichen Zeremonie plustern sich die Grenzsoldaten, die so etwas wie einen Hahnenkamm auf dem Kopf tragen, vor ihren Gegenuebern auf, zeigen sich gegenseitig ihre Muskeln oder bruellen um die Wette. Letztendlich werden die Tore geoeffnet, die Kommandeure schuetteln sich die Hand und dann werden sie Fahnen eingezogen. Fahne weg, Tor zu, Ende der Veranstaltung. Das ganze soll zwar ein Freundschaftsakt sein, aber meiner Meinung nach ist dieses nationalistische Getue schon nicht so ganz ungefaehrlich.
Nach Amritsar begebe ich mich weiter nach Dharamshala, auf der Suche nach Seiner Heiligkeit...
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