Genau solche Erlebnisse sind der Grund, warum ich um die Welt reise.
Ich traf Andree-Anne in Sapa. Wir hatten einen tollen Tag zusammen und wie es unter Reisenden nunmal so ist, tauscht man Erlebnisse und Plaene aus. "Ich will das echte Abenteuer abseits der Touristenpfade", sagte ich. "I'm in!" war ihre Antwort. Ein paar Tage spaeter trafen wir uns wieder und ueberlegten, wohin es gehen sollte. Da ich bekanntermassen ohne Reisefuehrer unterwegs bin, scannte ich meine Karte nach einem geeigneten Ort. Mein Vorschlag war der Ben En-Nationalpark. Wenn man keine anderen Touristen will, dann ist der Lonely Planet (nahezu jeder Backpacker hat ihn) ausgezeichnet. Wenn es hier nicht drinsteht, dann ist die Chance fuer ein Abenteuer gross. Nur auf Wiki gibt es einen kurzen Eintrag. Unsere Wahl war also gefallen.
Den naechsten Tag verbrachten wir in diversen Bussen bis es nur noch neun Kilometer waren. Die nahmen wir per Anhalter auf 'nem Motorroller. Doch vorher ruesteten wir uns mit Ost und Kuchen fuer die naechsten Tage. Am Ende der Starsse standen wir an einem grossen See mit vielen kleinen Inseln. Zum Gluck gab es dort auch einen Platz zum schlafen. Ich habe schon so oft gefragt: "Nenn' mir einen Ort, an dem man nicht etwas zu essen oder einen Platz zum schlafen findet." Ich persoenlich hab' noch keinen gefunden!
Ein Boot zu mieten war uns eindeutig viel zu teuer und so ueberlegten wir die Fischer zu fragen, ob sie uns mitnehmen wuerden. Das sollte das Ziel fuer den naechsten Tag sein. Am naechsten Morgen waren alle Fischer schon unterwegs und einen Trail um den See gab es nicht. Also wanderten wir die Strasse zurueck, nahmen kleine Feldwege und hatten auf einmal die Zivilisation komplett hinter uns gelassen. Es war ein toller Vormittag! Der Hunger trieb uns schliesslich zurueck zur Strasse, um etwas warmes zu essen zu finden. Nach einigen Kilometern gab es immer noch kein Anzeichen dafuer. "Let's go back and have a quiet afternoon at the lake." Also zurueck.
Keine drei Minuten spaeter ein freundliches "hello" aus einem der Haeuser. Die Leute winkten uns zu sich und fuenf Minuten spaeter sassen wir an einem reich gedeckten Mittagstisch. Unser Obstkorb war der Nachtisch. Wir waren die ersten Weissen, zu denen sie Kontakt hatten. Es waren Fischer. Sie luden uns ein den Nachmittag mit ihnen fischen zu gehen. Das unerwartete ist oft das beste! Es war zwar angeln, aber war es nicht das, was wir am Vorabend wollten!?! Auch Andree-Anne und ich zogen je einen Fisch aus dem Wasser. Gut, dass ich kurz vor meiner Tour ein Filetiermesser mit den Worten "Du wirst es eher brauchen als ich" geschenkt bekommen habe. Danke! Trotz der Sprachbarriere war es ein ueberaus lustiger Nachmittag. Wir waren schon fast auf dem Heimweg, da kam die Aufforderung mit ihnen zu Abend zu esen. Das konnten wir unmoeglich ablehnen. Ich musste mit den alten Maennern Wasserpfeife rauchen und zeigte ihnen wie man es im Westen tut. Mit diesem Ritual war das letzte bisschen Misstrauen verschwunden. Beim Abendessen, das selbstverstaendlich aus dem zuvor gefangenen Fisch (der schmeckt am besten) bestand, gab es in Heuschrecken eingelegten Schnaps, womit die Freundschaft endgueltig besiegelt wurde.
Da es schon spaet und dunkel war, machten wir uns alsbald auf den Heimweg. Unterwegs waren wir in so einer Hochstimmung der unerwarteten Ereignisse wegen, dass wir nur am lachen waren. Wir beschlossen, dass dies unser echtes Abenteuer war und wir am naechsten Tag wieder in verschiedene Rcihtungen reisen wollten.
"Die Welt ist sooo klein, wir werden uns wiedersehen...!"